Mein erster richtiger Tag begann um 4 Uhr. Länger konnte ich nicht schlafen. Um 7 Uhr traute ich mich dann in den oberen Stock, da ich bereits Schritte hörte. Da regt sich doch was. Tatsächlich fand ich dort bereits den putzmunteren, in einen Morgenmatel eingewickelten, Kaffetrinkenden und Zeitungslesenden Ken vor. Mir wurde sogleich erklärt, wie und wo ich mein Essen finde und ich gesellte mich mit einem Sicherheitsabstand von etwa 3 Stühlen zu Ken an den Tisch (me isch ja no chli schüüch am Afang!).

Ein paar Minuten vergingen und ich erhaschte einen ersten kurzen Blick auf den anderen "Student" im Haus, Linda. Sie wird jedoch heute das Haus verlassen - in einer Woche folgt ihre Nachfolgerin. Natürlich handelt es sich bei allen genannten Personen um Schweizer, denn 80% der Students hier sind Schweizer - wir könnens uns halt leisten... oder so! Nach ein paar weiteren Minuten weckte Ken seine Frau Marty auf - und, ach hätte er sie doch schlafen lassen :-). Gut ich wurde vorgewarnt, man könne sie am Morgen nicht brauchen, sie behielt recht. Überhaupt ist diese Marty doch auf eine sympathische Art und Weise irgendwie sehr eigenartig. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube aufgefordert worden zu sein, mit der Katze zu sprechen (und die Katze mit mir). Diese Katze bildet hier in diesem Haus das Zentrum! Marty ist sehr schwer einzuschätzen. Eigentlich möchte man sie als einfältige Tratschtasche abtun - aber ich glaube da steckt sehr viel mehr dahinter. Ich glaube das ist Strategie, ich glaub sie spielt gerne mit einem und schaut wie man reagiert. Vielleicht möchte ich es auch so, aber ich werde noch genügend Zeit haben das herauszufinden. Allenfalls kann ich ja die Katze fragen, wenn wir mal im so im Gespräch sind.

Kens heutige Aufgabe war, mir meinen Schulweg zu verinnerlichen. So dass ich diesen noch alkoholisiert, schlafwandelt und mit Gedächtnisverlust wiederfinden werde! Die Vorbereitung sah so aus, dass mir die Route zuest im Detail auf einer Karte gezeigt und eingezeichnet wurde. Später folgte der praktische Teil. Wir fuhren die Strecke ab, genau so, wie es der Bus tun würde. Er zeigte mir wo ich einsteigen, umsteigen und aussteigen muss. Zeigte mir den Eingang der Schule (ja zu Fuss bis zur Eingangstür). Und dann noch der ganze Rückweg. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um einmal Umsteigen. Zuerst auf den 14er Bus, dann auf den 3er. Ich hätts schon gefunden. Etwas ironisch meinte ich dann, es sei ja ganz einfach, umsteigen bei der joggenden Dame mit der gelben Hose und aussteigen dann beim Typen mit dem grünen T-Shirt, so kann ichs mir merken. Er lachte.

Nach dieser Tour kamen wir also wieder beim Haus an, an der steilen Strasse vorbei, 4 Strassen rechts abzählen und an der Stop Leine für den Bus ziehen. Gut. Und dann begann er nochmals die Tour abzufahren und meinte er sei jetzt der Bus und ich müsse ihm sagen, wo ich aussteigen würde und wohin ich wechseln würde. Hin zur Schule. Es war nicht sooooooooooo schwierig und ich bestand die Prüfung. Ich dachte, er liesse mich jetzt wenigstens gleich unten beim Waikiki Beach raus, aber nein, auch der Rückweg muss geprüft werden. Und ich erinnerte mich an die steile Strasse und an die 4 Strassen rechts als wärs gestern gewesen - nein, es war vor 30 Minuten! So kamen wir zum zeiten Mal zurück zum Haus und netterweise brachte er mich dann aber wieder runter zum Waikiki Beach, kurz vor Webcam. Ich sass 2 Stunden in diesem Auto! Wenn ich diesen Weg nicht finden sollte, dann werde ich mein ganzes Sein in Frage stellen müssen :-). Egal, es war ja extrem lieb gemeint und so etwas von fürsorglich und nett und alles mögliche. Und dennoch hätte ich mich lieber selber zurecht finden wollen... ich wollte mich doch einmal gottsjämmerlich verlaufen hier :-)

Sooo, dann musste ich vor die Webcam und wurde schon fast etwas nervös, als ich erfuhr, dass da tatsächlich Leute zuschauen. Aber danke fürs Interesse oder was auch immer :-).



Nach dem Webcam Auftritt traf ich mich mit Linda (aus der Gastfamilie) und sie verbrachte den Tag mit mir. Sie gab mir Tipps zur Gastfamilie, zur Schule und zu den Aktivitäten. Erzählte mir vom Sky Diving, welches ich hier auch tun möchte und wo sie sich ihr Tatoo stechen liess, was ich auch noch tun werde. Wir liefen viel herum den ganzen Tag und meine Füsse sind schon ganz kaputtgeflipflopt. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen, an die Wärme hingegen habe ich mich bereits gewöhnt :p

Ein paar erste Eindrücke:

 

Und zum Schluss zeigte mir Linda dann noch den Heimweg mit dem Bus.