Als neuer ÖV'ler hab ich nun wieder etwas mehr Zeit zu bloggen... vielleicht? Keine Ahnung, ich sitze zumindest im Zug und habe gerade Lust dazu. Vorallem weil mir gerade Gedanken zu einer Szene vom heutigen Tag im Kopf herumschwirrt, die irgendwie verarbeitet werden möchten. 

Wie gesagt, ich bin seit dem Montag wieder offizieller, übergangsabo-besitzender ÖV Benutzer. Nicht weil ich es will, es war ein reiner Kopfentscheid. Aber man gewöhne sich ja dran... heisst es. Auf jeden Fall muss ich mich vorallem einmal wieder daran gewöhnen, dass man sich an Fahrpläne zu halten hat und das den Trams, Bussen und Zugen relativ egal ist, ob man sie erreicht oder nicht... mein Auto war da ganz anders! Und so kam es wie es kommen musste, ich verpasste meinen Zug. Oder genauer, ich benütze gutgläubig einen Bus in die falsche Richtung und machte damit einen Umweg, so dass es mir nicht mehr auf den Zug reichte... anfassen konnt ich ihn noch, ganz kurz, ich berührte ihn, aber es berührte ihn nicht... mein Auto war da ganz anders!

uiii sorry, jetzt war ich grad kurz abgelenkt. Ich sitze ja im Zug und habe gerade mitgehört, wie jemand die Auskunft  anruft und wissen wollte, wer hinter einer bestimmten Nummer steckt. Ich wollt schauen, ob ichs schneller herausfinde als die Auskunft.... aber die weisseseiten.ch hatten so lange bis sie geladen sind - 1:0 für die Auskunft. Auf jeden Fall steckt das "Humanus Haus" hinter der ominösen Nummer. Jetzt hab ich einfach eine Information, die mir gar nichts bringt... ist doch auch doof... soll ich jetzt auch gut hörbar die Auskunft anrufen und nach der Nummer vom "Humanus Haus" fragen, damit der alte Mann ein bisschen verwirrt ist? Ach nein, ich lass es... zurück zum Bericht.

Ja auf jeden Fall war der Zug weg und ich hatte doch einen Termin, so dass  ich impossibilerweise nicht auf den nächsten Zug warten konnte, es musste eine Lösung her. Mein App meinte, dass ich keine schnellere Möglichkeit hätte, also setzte ich auf das gute alte Taxi. Jaja, ich bin ein ÖV'ler ganz ohne Prinzipien. Ich ging also zum Taxi-Stand und traf auf eine kleine Gruppe sich angeregt unterhaltender Männer. Sie sahen wie Geschäftsmänner aus, waren aber Taxi-Chauffeure. Ich dachte zuerst die stehen zufällig da. Auf jeden Fall bot sich einer der Männer mir gleich an... als Taxi Chauffeur und er fuhr mich an meinen Treffpunkt. Nein, ich war nicht wirklich schneller, als wenn ich auf den nächsten Zug gewartet hätte, ja es war teuer, nein, es hat sich nicht gelohnt und ja, ich bereue es trotzdem nicht.

Ich hab mir so sehr gewünscht, dass es ein Taxi-Chauffeur ist, der nicht spricht, da ich einfach nicht small-talken kann.... ich kann es nicht! Es ist für mich auch O.K so, es ist einfach immer nur dann schwierig, wenn ich eben auf einen small-talk-freudigen Menschen treffe... naja, wenn er nur von sich erzählt gehts und ich kann ja auch nachfragen... aber so grundsätzlich verstehe ich halt einach nicht, wie Small-Talk funktioniert - aber eben deshalb wollte ich lieber stillschweigend deben Taxi-Man mitfahren... Er sah das aber anders. Er war ehr so der Typ der gerne Small-Talkt, an Net-Working Veranstaltungen geht und auch bei Geschäftsapéros immer der Letzte ist, der nach Hause geht. So stell ich mir ihn vor.  Er erzählte mir munter aus seinem Taxi-Nähkästchen. Und erzählte, dass mal eine alte Frau ein Taxi wollte und kein Anderer wollte diese alte Frau mitnehmen, nur er nahm sie mit - weil er mache da keine Unterschiede - Taxifahren ist sein Job und das macht er und es sei doch besser als gar kein Job. Und so kam es, dass die alte Frau, die niemand wollte eine Langstrecken-Fahrt nach Basel einbrachte. Ein kleiner Checkpot also im leben eines Taxi-Chauffeurs. Seit dem, machen die Kollegen immer Witze darüber... auch bei mir, hat er den Kollegen beim Vorbeifahren gesagt, dass ich nach Basel wolle... :) Weiter erzählte er, dass eine Frau mit einem kleinen Hund mal ein Taxi bestellt habe und diverse Chauffeure hätten gewendet, als man sie sah, weil sie keinen Hund im Auto wollten. Nur er nahm sie mit und die Dame wollte nach Frankreich. Kurze Strecken sind offenbar bei Taxi-Chauffeuren nicht beliebt, so kam es, dass sich wieder mein Taxi-Chauffeur opferte, für eine ganz kurze Fahrt zum Hauptbahnhof. Da es am selben Tag einen grösseren Zugausfall gab, hat er am Hauptbahnhof eine kleine Gruppe aufgeschnappt, die mit dem Taxi nach Milano wollten - und er war ja nur am Bahnhof, weil er die kurze Fahrt eben nicht ausschlug...

Mich haben diese Geschichten und die Lebenseinstellung sehr beeindruckt. Er macht keine Unterschiede und lässt sich vom Leben führen, egal wohin es ihn führt. Mit Geduld und Vertrauen in das was kommt, kommt es eben gut. Ich kann von diesem Taxi-Chauffer lernen!


...aber dass Taxi-Chauffeure Ansprüche an ihre Fahrgäste haben, war mir bis anhin irgendwie auch nicht bewusst. Wie ich das finde, muss ich mir noch überlegen.... trotzdem, es war eine schöne Ausfahrt in eine Welt, die irgendwie ganz anders Funktioniert und doch gleich ist.

Bin angekommen. Schöne Abig.