Schon Monate zuvor hatte ich mich für diesen "Zauberkurs für Fortgeschrittene" angemeldet. Ich konnte es damals kaum abwarten, bis es soweit sein wird. Im Laufe der Zeit ist diese Vorfreude jedoch etwas abgeflacht...
Auf dem Weg zum Kurs erinnerte ich mich an den ersten Kurs zurück und wie viel Spass mir dieser damals gemacht hatte. Ob es mir immer noch Spass machen wird?

Es war ein sonniger Abend. Als ich mir diese Gedanken machte, war ich schon fast beim Zauberladen angekommen. Von weitem sah ich Hörbi draussen stehen, mit einer weiteren Person, welche ich nicht kannte. Ich begrüsste Hörbi, machte eine kurze Bemerkung zu seiner neuen Frisur und wurde dem Unbekannten vorgestellt - Name weiss ich nicht mehr.

Wir standen draussen, redeten und immer mehr Männer kamen, die auch an den Kurs zu kommen schienen. Hände wurden geschüttelt, Namen wurden gesagt und gleich wieder vergessen. Als es Zeit wurde, gingen wir in den Kursraum. Obwohl der Zauberladen umgestellt wurde, sah der Kursraum noch aus wie beim letzten Mal. Ein langer Tisch, 8 Zauberunterlagen waren ausgelegt und in der Mitte des Tisches türmten sich neue Kartendecks. Yes - Kartentricks!

Da waren wir nun also in diesem Raum. Ich setzte mich hin, am gleichen Ort wie beim letzten Kurs. Nach und nach sassen die Männer zu mir oder standen noch etwas unbeholfen herum, während Hörbi im Nebenzimmer Kaffee am zubereiten war.

Sieben Männer, Hörbi und ich. Der Jüngste vielleicht gut 40ig und der Älteste sicher schon 60ig. Zwei kannte ich von meinem Grundkurs. Wir sassen da und schwiegen uns an – Ich, mit breitem Grinsen, weil ich mir gerade überlegte, ob das jetzt denen ihr ernst sei, dass hier niemand einen Ton sagt, bis der Zauberlehrer kommt und mit seiner Lektion beginnt.

Das kann es ja nicht sein! Ich versuchte ein Gespräch anzuzetteln, wollte wenigstens  herausfinden, wer sich schon kennt, wer welchen Kurs gemacht hat, wer keinen Kurs gemacht hat und wieso und überhaupt und so. Meine beiden Grundkursmitschüler erinnerten sich beide noch an mich - aber nicht mehr aneinander :-)

Zum Glück dauerte dieses, eher mühsam aufrecht zu erhaltende, Gespräch nicht lange und Hörbi setzte sich an den Kopf des Tisches auf seinen erhöhten Stuhl.

Wir diskutierten über den Inhalt des Kurses, wer was erwartet, ob wir eher Kartentricks machen wollen oder Münzentricks oder vielleicht was mit den Sponge Balls? Hörbi zeigte uns immer wieder Tricks zur Veranschaulichung vor, als Beispiel, was er uns beibringen könnte. Und schon waren wir alle verzaubert. Ich möchte am liebsten ALLE können, obschon mich die Kartenkunst am meisten beeindruckt, aber für alles reicht der Kurs wohl nicht.

Wir einigten uns als Erstes ein Kartenroutine zu erlernen. Die Kartendecks von der Mitte des Tisches wurden verteilt. Meines war rot. Mit etwas Geschick war das Plastik rundherum schnell geöffnet - bei mir zumindest. Mein Gegenüber, welches ich noch vom letzten Kurs kannte, fiel bereits in alte Muster zurück :-) Wenn er Hilfe braucht oder etwas nicht geht, wenn er etwas nicht versteht, dann werden einfach Gedanken laut ausgesprochen - aber nicht nach Hilfe gefragt, nicht adressiert, es wird dann einfach eine Aussage in den Raum gestellt und gewartet ob jemand und wer reagiert. Das ist mir im letzten Kurs schon aufgefallen :-) Und so platzierte er auch dieses Mal einfach die Aussage "Ich bringe diese Plastikhülle nicht auf" in den Raum und schweifte den Blick umher, wie Scheinwerfer. Ich reagierte und fragte ihn, ob ich es für ihn öffnen soll. Er streckte das Deck mir zu, ich öffnete es für ihn. Mein linker Platznachbar streckte mir sein Kartendeck daraufhin wortlos entgegen und ich öffnete es auch für ihn... Männer :-)

Als die erste Hürde dann endlich gemeistert war, machten wir uns dran die neue, sehr lange Kartenroutine einzuüben. Damit war auch der ganze erste Kursabend gefüllt und diese wird uns auch nächste Woche noch beschäftigen. Die Griffe sitzen bei mir zum Glück noch einigermassen und die Neuen sollten mit ein bisschen üben eigentlich schnell sitzen. Mein Nachbar, zur Rechten, hatte zum Teil noch etwas Mühe - ich glaub er mag die Kartentricks auch nicht so - und ich zeigte und erklärte ihm die Schritte nochmals. Mit meinem diagonalen Gegenüber war ich bereits am Fachsimpeln und überhaupt habe ich den neuen Trick mit so viel Freude und Engagement aufgenommen, dass ich hier tatsächlich unter Kopfschütteln und grinsen und voller Selbstironie gestehen muss: ich bin eine Zauberstreberin!

Freue mich schon auf's nächste Mal :-)