Am Sonntag war ein sonniger Tag - ein schöner Tag. So schön, dass ich natürlich auf der Heimfahrt von Susii mit offnem Dach nach Hause gefahren bin. Herrlich...

Zuhause angekommen, hatte ich schon wieder viele viele Dinge im Kopf, die ich noch machen wollte. Und zwar sofort! Taschen und  anderer Ballast kann ich ja dann später aus dem Auto holen. Nur schnell das Dach wieder schliessen und das Nötigste unter die Arme packen und ab ins Haus.

Ich erledigte also was ich mir zu erledigen auftrug und gegen Abend wollte ich meine Taschen aus dem Auto holen. Schlüssel. Wo habe ich den wieder hingelegt? Ich versuchte mich zurück zu erinnern, als ich ins Haus rein kam und mein Portemonai ablegte - in der Küche. Hmm... da war kein Schlüssel... vielleicht im Schlüsselschrank - das wäre ja noch sinnvoll... hmm... auch nicht. Und ich schaute 2,3 mal an den selben Orten nach, wo er hätte sein können und suchte noch an 4,5 Orten wo er sicher nicht hätte sein können. Irgendwo muss ich ihn doch hingeschmissen haben... schade, dass ich mich nicht mehr erinnern kann wohin, sonst tu ich das doch? Vielleicht kann ich mich ja nicht dran erinnern, weil... nein, ich doch nicht... oder doch?... weil es gar nicht passiert ist? Gehört der Schlüssel den nicht zu "das Nötigste"?

Ich schlüpfte in meine Schuhe - ging raus und pirschte mich an mein Auto ran, als ob es ein Drach wäre, der beim leisesten Geräusch erwachen könnte. Ich schlich rund ums Auto herum und schaute vorsichtig und noch voller Hoffnung, dass sich mein Verdacht nun nicht bestätigen würde, in das Beifahrerfenster rein. Doch da hing er. Wie wenn nichts wäre. Mist!

Alles halb so wild! Ich bin ja zuhause und habe einen Ersatzschlüssel. Somit könnte der Bericht hier fertig sein. Der Ersatzschlüssel ist in meiner Freitagtasche (Fragt mich jetzt nicht, warum ein Ersatzschlüssel in einer Tasche ist!) Und die Freitagtasche ist... ja, die ist im Kofferraum von meinem Auto. Shit.

Ich überlegte mir was denn nun einfacher zum knacken ist, das Auto oder der Kofferraum?

Und plötzlich hatte ich eine Aufgabe - einen Schub an Ehrgeiz - Eine Mission.

Dummerweise hat mein Auto nicht so "Hochzieh Türverschlüsse" die man einfach mit einem Draht hochziehen könnte. Nein meine Türverriegler sind so zum Schieben - man muss sogar ein kleines Mass an Muskelkraft aufwenden um diese zu betätigen. Und sie müssen horizontal verschoben werden, also nichts mit runterdrücken oder eben hochziehen. Ich brauche einen Hebel.

Beim Fensterrand kriegt man ja schon etwas dünnes rein... nur kommt man von da nicht gut an der selben Seite herunter mit dem Gegenstand - also wäre eine Möglichkeit den Gegenstand, den ich mir stabil, lang und schmal vorstellte, durch das ganze Auto zu schieben und die gegenüber liegende Autotür damit zu öffnen... könnte funktionieren. Ich hatte schon eine genaue Vorstellung wie dieser Gegenstand auszusehen hat und ich machte mich auf die Suche danach. Ich schaute mich in der Garage herum, im Bastelraum und jede Vorhangschiene und alles wurde inspiziert, doch nirgendwo fand ich etwas passendes...!

Ich suchte kurz noch das Internet nach Möglichkeiten den Kofferraum zu knacken ab (kam da auf ganz komische Seiten...) - blieb jedoch erfolglos. Meine Mission pausierte also bis zum Nachtessen.

Angi kam zu besuch - wir assen gemeinsam mit meiner Mutter und Markus Znacht. Markus erzählte, dass er heute im "Model Schiffer Club" war (Model Schiffer - Ich stell mir das immer so vor... so halt... ) und dass sein U-Boot abgesoffen sei... Naja, das soll es doch auch? Aber wohl nicht ganz so :) Zwangsläufig wurde aber auch meine Unfähigkeit und mein Auto Problem zum Gesprächsthema...

Ich meine, TCS wäre auch eine Option gewesen - aber das ist doch zu einfach - wo bleibt da der Spass ;) Mein Bruder kann sein Auto auch selber knacken, dann will ich das doch auch können (zweimal musste er den TCS rufen, beim dritten Mal konnte er es selber :-) ). Markus fühlte sich plötzlich auch herausgefordert und nach dem Essen huschten wir beide relativ schnell ab und sahen uns die Sachlage nochmals genau an. Der Fall muss doch zu lösen sein.

Wir bogen uns eine Metall Fussleiste zurecht und kamen auch an den Riegler ran - mehr links, mehr rechts, zu viel rechts, runter runter und jetzt schieben. Aber die Kraft reichte einfach nicht aus und man rutschte ständig am abgerundeten Riegler ab. "Gibt es eine Möglichkeit das Verdeck zu öffnen - wie funktioniert da der Verschluss?" Näää geht nicht, da muss man drücken und öffnen gleichzeitig... hmm... "Kennst du den Schliessmechanismus von deinem Auto?"... ja klar... hää? Was soll ich kennen? Einmal nach rechts drehen? Ja so würden's wohl die Profil tun... Schliessmechanismus austricksen und so... keine Ahnung!

Dann schauten wir uns das Cabriodach nochmals genau an. Hmm... Heckfenster... Da gab es so einen Spalt - ich griff einfach mal rein. Das geht verdammt weit rein da... Kommst du in den Innenraum? Nein, aber da spüre ich was... hmm... einen Reissverschluss!

Ich war inzwischen mit meinem Arm bis zum Gehtnichtmehr in meinem Cabriodach. Natürlich war der Verschluss nach innen. Ich kam nicht recht ran. "Lieg doch auf den Kofferraum, dann kommst du besser ran...". jaja... schon klar... Ich musste aber fast. Und ich lag auf dem Auto und meine rechte Hand war wieder irgendwo tief im Cabriodach Labyrinth verschwunden. Das Ding klemmt... nur die Ruhe, nur Geduld. Und mit etwas Geschick gelang es mir tatsächlich den Reissverschluss von aussen her zu bewegen. Ich hatte schon einen Krampf im Arm und es war verdammt unbequem und dann... Rätsch war das Ding offen, und ich konnte mit unserem gebastelten Werkzeug von hinten die Tür öffnen und das Auto war geknackt und die Mission erfüllt :-)


Und was lernen wir daraus?
- Platz für Ersatzschlüssel sinnvoller auswählen
- Ein Cabrio ist nicht sicher
- Was mein Bruder kann, kann ich schon lange
- Nicht alles was sich auf einem Auto räkelt ist sexy
- Man braucht keine echten Probleme für echte Erfolgserlebnisse